Ruaha-Nationalpark
Im Ruaha Nationalpark beginnt die Tierbeobachtung schon in dem Moment, in dem das Flugzeug landet. Eine Giraffe rennt neben der Landebahn – alles Beine und Hals, doch auf merkwürdige Weise elegant in ihrer Ungelenkigkeit. Hinter ihr zieht eine Reihe Zebras über die Landebahn.
In der Ferne, unter einem kugeligen Affenbrotbaum, formieren sich einige Vertreter von Ruahas 10.000 Elefanten – die größte Population aller Nationalparks Ostafrikas – zu einem schützenden Kreis um ihre Jungen.
Nach Katavi ist Ruaha das Gebiet mit dem größten Gefühl unberührter Wildnis, jedoch deutlich zugänglicher. Der Park schützt ein riesiges Gebiet des zerklüfteten, halbtrockenen Buschlandes, das Zentral-Tansania prägt. Sein Lebenselixier ist der Great Ruaha River, der während der Regenzeit als reißender Strom entlang der östlichen Grenze fließt, danach aber nur noch in verstreuten, kostbaren Wasserlöchern zwischen Sand und Felsen verbleibt.
Ein gut ausgebautes Netz von Pirschstraßen folgt dem Fluss und seinen saisonalen Zuflüssen. In der Trockenzeit riskieren Impalas, Wasserböcke und andere Antilopen ihr Leben, um einen Schluck dieses lebensspendenden Wassers zu trinken. Die Gefahr ist beträchtlich – nicht nur durch ein Rudel von über 20 Löwen, die über die Savanne herrschen, sondern auch durch Geparden, die die offenen Grasflächen durchstreifen, und Leoparden, die in den dichten Flussgebüschen lauern. Diese beeindruckende Räuberpopulation wird zusätzlich ergänzt durch Gestreifte und Tüpfelhyänen sowie mehrere Rudel des stark gefährdeten Afrikanischen Wildhundes.
Die außergewöhnlich hohe Vielfalt an Antilopen in Ruaha ist eine Folge der Lage des Parks: Er liegt im Übergangsbereich zwischen der Akazien-Savanne Ostafrikas und dem Miombo-Waldgürtel Südafrikas. Hier kommen Grant-Gazellen und Lesser Kudus am südlichen Rand ihres Verbreitungsgebiets vor, zusammen mit den miombo-assoziierten Sabel- und Roan-Antilopen sowie einer der größten Populationen von Greater Kudu, dem Emblem des Parks, erkennbar an den prächtigen korkenzieherartigen Hörnern der Männchen.
Eine ähnliche Dualität zeigt sich bei den rund 450 Vogelarten: Arten wie der auffällige Crested Barbet, ein gelb-schwarzer Vogel mit charakteristischem Trillern, treten hier zusammen mit zentral-tansanischen Endemiten wie dem Gelbkragen-Liebesvogel und dem Aschstar auf.